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"Bäder müssen zum Wohnbereich passen" |
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Interieurdesigner Tassilo Bost über neue Trends in der Innengestaltung und Einrichtung von Hotels / Boomthema Lichtführung BERLIN Einmal James Bond sein. Nicht nur, dass er die schönsten Frauen hatte und die schnittigsten Autos. Er wohnte in Stiloasen. Seine Hotelzimmer und -suiten bestachen durch klassische, farblich auf weiß, braun und beige reduzierte Eleganz, die technischen Finessen waren immer auf der Höhe der Zeit. "Diese Räume lebten von Farbe und Form und das ist immer noch der Weg", kommentiert der Berliner Hotel-Interieurdesigner Tassilo Bost die bis heute imponierenden Hotelwelten von 007, alias Sean Connery. Palastgrößenähnlich hat er damals residiert, der Agent Ihrer Majestät. Die Größe aber sei es nicht, die in Zukunft ausschlaggebend sei, so Bost. Erwartet würden "Oasen der Ruhe" und klare Konzepte; Bost macht Konzepte für 4-Sterne-Plus-Stadthotels. Out sei: Lobby top, Zimmer flop. Bereits an der Rezeption, die sich schon jetzt nicht mehr überall als solche zu erkennen gebe und sich auflöse, ohne ihre Bestimmung aufzugeben, müsse dem Gast signalisiert werden, wo er sich befindet. "Die Flure", so der Designer, "sollen die Philosophie des Zimmers in einfacher Version tragen". Bar und Restaurant sollten erklärtermaßen "In-Spots" des urbanen Umfeldes oder der Religion sein – ein Trend, der zum Zeitgeist wurde. Kurzum: Allerorts muss sich der Gast im Gesamtkunstwerk Hotel wiederfinden. Da reicht es nicht, bei der Renovierung ein bisschen frischen Wind ins Haus zu bringen. Hotelarchitekten, wie Bost einer ist, sind gefragt: der Markt dafür wächst. In London hat er kürzlich den "European Hotel Design Award 2004" in der Kategorie "Best Guestroom Design" erhalten. Der "Hotel-Oscar" wurde ihm für das ArabellaSheraton Bogenhausen in MÜNCHEN verliehen: in Naturfarben gehaltene zeitlose Ästhetik mit Edelmaterialien wie kanadischem Ahorn, Bädern mit geräumigen Duschen und teilverglasten Zimmertrennungen. "Beim Betreten des Zimmers soll der Gast ein absolutes Wohlgefühl verspüren", sagt der Preisträger, für den klassische Einzelzimmer Schnee von gestern sind und der in Mini- und Juniorsuiten die Zimmergröße der Zukunft sieht. Behaglichkeit entsteht in erster Linie durch einen hervorragenden Bettenkomfort; im ArabellaScheraton wie auch im Westin Grand in Berlin, wo er gerade die historischen Suiten aufpoliert hat und drei Wellness-Suiten gestaltet, geschieht dies durch die "Heavenly Beds", eine Erfindung der Westin Hotels & Resorts. Der Interieurdesigner, der auch die Suite von Udo Lindenberg im Hamburger Atlantic-Hotel gestaltet hat: "Man soll im Hotel besser schlafen als zu Hause." Punkt zwei, der Arbeitsplatz. Der muss seine Funktion erfüllen, sich also uneingeschränkt zum Arbeiten eignen. Aussehen wie ein Arbeitsplatz soll er allerdings nicht, beschreibt Bost einen Trend; für Bogenhausen kreierte er deshalb einen drehbaren Esstisch mit integrierter Schreibtischtechnik. Technisch wird kräftig aufgeröstet. LCD-Fernseher im Wohnbereich und im Bad sowie WLAN gehören fast schon zum guten Ton. "Ein Hotelzimmer sollte ein Mindestmaß des technischen Komforts haben, den der Gast auch daheim hat", fordert der Designer; die Realität beschert statt Mobiltelefonen feste Telefonapparate an nur einer Bettseite. Mit einer technischen Neuerung, die Schule machen wird, bestückte er die neuen Luxussuiten im Westin Bellevue in Dresden und nun einen Konferenzraum im Westin Grand: Kühldecken für eine optimale Klimatisierung, die im Gegensatz zu den üblichen Klimaanlagen weder laufstark arbeiten noch Luft rauspusten. Ein großes Thema sind die Nassbereiche. "Bäder müssen ein abgetrenntes, schallgedämmtes WC, große Duschen haben sowie eine Wanne, auch wenn die weit weniger genutzt wird", sagt Bost, der ausschließlich Kopfduschen mit Regeneffekt einsetzt, "die Bäder müssen zum Wohnbereich passen und ein Wellnessbereich sein". Würde Bost eine Stilbibel schreiben, gehörten Gebote wie "Farben und Materialien mixen, dass die den Gast nicht tangieren", "dem Material eine Chance geben, zu wirken" und "Farb- und Formkontraste des Art deco zu studieren" mit hinein. Entscheidend auch die Lichtführung im Zimmer, ein großes Thema, an dem viele Designer arbeiten. Der Hotelarchitekt: "Licht produziert Stimmungen, damit kann man jeden Gast erreichen." Auch werde, so der Experte, mit Aromen experimentiert, um den Wellness-Gedanken fortzuführen. Wellness in den öffentlichen Bereichen fährt für Bost zur Einrichtung von Zonen, die für halbständige Totalentspannungen genutzt werden können. Das wäre die Legalisierung des Nickerchens im öffentlichen Raum, zu dem James Bond sicherlich auch sein Okay gegeben hätte.
(AHGZ, 04.09.2005) |
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