Bost Berlin
Parkinn Hotel Alexanderplatz, Berlin Drei Fragen an Achim Niederberger

»Wir werden uns gegenseitig befruchten«
Der Werbefachmann und Weingutbesitzer über seinen Schritt in die Gastronomie

Wie kommt ein Werbefachmann auf die Idee nach dem Erwerb von zwei Topweingütern nun auch in die Gastronomie einzusteigen?

Niederberger: Das war mehr oder weniger ein Zufall. Hans-Günter Schwarz, einst Winzer des Jahres beim Gault Millau, pflegt den 1 Hektar großen Weinberg um unsere Privatvilla an der Haardt. Es machte mit einem Könner wie ihm derart Spaß, Riesling, Chardonnay aber auch Spätburgunder und Sauvignon Blanc anzubauen, dass mein Engagement bald schon über den Status einer Spielwiese hinauswuchs und ich mich noch nach weiteren Rebflächen umsah. Ich erfuhr, dass zum damaligen Zeitpunkt das Traditionsweingut Geheimer Rat Dr. v. Bassermann-Jordan zum Verkauf anstand. Nach langen Verhandlungen mit der Familie Bassermann-Jordan unterzeichnete ich am 9. August 2004 einen Gesellschaftervertrag und begann mit der Planung und dem Ausbau des Ketschauer Hofs. 2005 habe ich das nicht minder bedeutende VDP-Weingut Reichrath von Buhl erworben, zu dem das Hotel Hatterer gehört.

Der Ketschauer Hof will in Deidesheim und darüber hinaus extravagante kulinarische Akzente setzen. Glauben Sie, dass angesichts der besonderen Situation in Deidesheim ein Markt dafür vorhanden ist?

Niederberger: Sie spielen auf die dominierende Stellung des Deidesheimer Hofs in der Pfalz an. Ich glaube, dass man sich gegenseitig befruchten wird. Schauen Sie beispielsweise nach Baiersbronn, wo es mit Bareiss und der Traube Tonbach ja auch funktioniert. Das Besondere an Deidesheim ist ja gerade dieser genius loci, der Geist des Ortes, der seit Jahrhunderten bodenständiges Winzertum und gepflegten Genuss und Lebensart verbindet. Mit dem Ketschauer Hof und seiner vielfältigen Gastronomie habe ich mir einen Traum erfüllt, deshalb streben ich und das gesamte Team mit allen unseren Möglichkeiten an, die Tradition des Ortes und die Kultur des Anwesens Ketschauer Hof mit wegweisenden Konzepten zu einer neuen Sphäre gehobener Lebensart in der Pfalz zu verbinden.

In welcher Größenordnung bewegen sich die Investitionen im Weingut Dr. Bassermann-Jordan?

Niederberger: Zusammen mit dem Haupthaus, das im kommenden Jahr zum Hotel umgebaut wird, summiert sich die Investition im Ketschauer Hof auf bisher 8 Mio. Euro. Gut angelegtes Geld, wenn man das Ergebnis betrachtet. Schlichte, zurückhaltende Eleganz, Ton in Ton bleibend, sind hier die Stichworte. Als Designer haben wir beispielsweise den Träger des Hotel Design Award 2004, Tassilo Bost aus Berlin, engagieren können. Er hat die ehemaligen Kuh- und Pferdeställe zu spektakulären Gastronomieräumen von großzügiger Eleganz mit stimmungsvollen Farbakzenten umgestaltet. Damit hat er ganz neue Maßstäbe gesetzt.

Die Fragen stellte Heinz Feller

AHGZ, 29.07.2006

zurück zur Presse-Übersicht